CO₂-Fußabdruck und ESG

CO₂-Fußabdruck und ESG-Berichterstattung eines Produktionsunternehmens

Abnehmer, Banken und Regulierung fragen immer häufiger nach Emissionen. Wir erklären die Grundlagen des GHG Protocol (Scope 1, 2 und 3), welche Daten Sie benötigen, wozu VSME dient und wie der CO₂-Fußabdruck mit der Energiemessung zusammenhängt.

Aktualisiert: 5. 11. 2026Autor: NetVoice s.r.o.Lesezeit: ca. 5 Min.

Warum Unternehmen nach dem CO₂-Fußabdruck fragen

Die Anforderungen an Emissionsdaten kommen aus mehreren Richtungen: von Abnehmern, die die Emissionen ihrer Lieferkette verfolgen, von Banken und Investoren sowie aus der Regulierung im Bereich Nachhaltigkeit. Die Berichtspflichten unterscheiden sich nach Unternehmensgröße und entwickeln sich schrittweise weiter, prüfen Sie daher bei der jeweiligen Pflicht stets den aktuellen Stand.

Für einen Produktionsbetrieb ist die gute Nachricht, dass sich ein großer Teil der Emissionen aus Daten ableiten lässt, die Sie bereits haben (oder bald haben): aus dem Verbrauch von Strom, Gas und Wärme sowie aus Brennstoffen. Deshalb hängen Energieverbrauchsmonitoring und CO₂-Fußabdruck naturgemäß zusammen.

GHG Protocol: Scope 1, 2 und 3

Das GHG Protocol ist die am weitesten verbreitete Methodik zur Berechnung der Treibhausgasemissionen eines Unternehmens. Es teilt die Emissionen in drei Bereiche ein:

BereichWas er umfasstBeispiele aus der Produktion
Scope 1Direkte Emissionen aus Quellen, die das Unternehmen besitzt oder kontrolliertVerbrennung von Erdgas in Kesseln und Öfen, Kraftstoffe in Fahrzeugen, Kältemittelaustritte
Scope 2Indirekte Emissionen aus zugekaufter EnergieStrom, Wärme oder Dampf aus dem Netz
Scope 3Sonstige indirekte Emissionen in der Wertschöpfungskette (15 Kategorien)zugekaufte Materialien, Transport, Abfall, Dienstreisen, Nutzung der Produkte

Scope 2 wird gemäß Methodik auf zwei Arten ausgewiesen: location-based (nach dem durchschnittlichen Emissionsfaktor des Netzes in der jeweiligen Region) und market-based (nach den vertraglichen Bedingungen des Strombezugs). Ein guter Bericht zeigt beide Werte.

Wie Sie die Berichtsgrenzen festlegen

Bevor Sie mit der Berechnung beginnen, müssen Sie festlegen, welche Teile des Unternehmens in den Fußabdruck einfließen. Das GHG Protocol beschreibt Konsolidierungsansätze: nach Eigentumsanteil, nach finanzieller Kontrolle oder nach operativer Kontrolle. Für die meisten Produktionsunternehmen ist die operative Kontrolle der natürliche Ansatz, d. h. es werden die Quellen erfasst, die das Unternehmen selbst betreibt.

Die Grenzen sollten Sie in der Methodik festhalten und im Zeitverlauf unverändert lassen. Andernfalls lassen sich die einzelnen Jahre nicht vergleichen und es lässt sich nicht beurteilen, ob die Emissionen tatsächlich sinken.

Welche Daten Sie benötigen

Die Grundformel ist einfach: Emissionen = Aktivitätsdaten × Emissionsfaktor. Aktivitätsdaten sind Verbräuche (kWh Strom, m³ Gas, Liter Kraftstoff, Tonnen Material); der Emissionsfaktor rechnet die Einheit in Kilogramm oder Tonnen CO₂-Äquivalent um.

  • Scope 1 und 2 lassen sich zu einem großen Teil aus dem gemessenen Energie- und Brennstoffverbrauch berechnen.
  • Emissionsfaktoren müssen aus anerkannten Quellen stammen und Jahr sowie Quelle angeben. Faktoren dürfen nicht erfunden werden, und ist ein Faktor nur vorläufig, muss das im Bericht erkennbar sein.
  • Scope 3 erfordert Daten aus Einkauf, Transport und von Lieferanten. Man beginnt mit den Kategorien, die für das Unternehmen am wichtigsten sind, und bei fehlenden Angaben wird ehrlich „nicht berechnet“ angegeben, nicht null.

Woher Emissionsfaktoren stammen sollten

Emissionsfaktoren werden nicht erfunden und nicht aus unsicheren Quellen übernommen. Verwendet werden Faktoren aus anerkannten Datenbanken und Methodiken oder Faktoren des Energielieferanten, und zu jedem werden Quelle, Jahr und Einheit angegeben. Achten Sie auf Konsistenz:

  • Der Faktor muss zur Verbrauchseinheit passen (kWh, m³, Liter, Tonne),
  • für andere Treibhausgase als CO₂ werden Umrechnungen in CO₂-Äquivalente nach der gewählten Methodik verwendet,
  • Faktoren ändern sich mit der Zeit, daher wird die Berechnung immer mit der gewählten Version der Faktoren gespeichert,
  • vorläufige oder nicht verifizierte Faktoren müssen im Ergebnis gekennzeichnet sein.

Glaubwürdigkeit: Datenqualität und Nachvollziehbarkeit

Eine Zahl im Bericht ist nur so gut, wie sie sich belegen lässt. Jede Berechnung sollte sich rückwirkend zu den verwendeten Daten, Faktoren und Einstellungen zurückverfolgen lassen, und es sollte erkennbar sein, welcher Anteil der Angaben gemessen und welcher geschätzt ist. Eine freigegebene Berechnung sollte nachträglich nicht geändert werden und von einer anderen Person freigegeben werden als derjenigen, die sie erstellt hat.

Die Plattform Energy Infra Scan berechnet Scope 1 und 2 aus gemessenen und eingegebenen Daten, speichert Berechnungen als unveränderliche Snapshots und ermöglicht Reports für Abnehmer sowie die ESG-Berichterstattung. Ausgewählte Scope-3-Positionen werden als manuelle Werte mit einem Hinweis zur Herkunft erfasst.

Zusammenhang mit ISO 50001 und Energieaudit

CO₂-Fußabdruck und Energiemanagementsystem nutzen dieselben Daten. Die Verbrauchsmessung, die ISO 50001 verlangt und die auch das Energieaudit erleichtert, ist zugleich die Grundlage für die Berechnung von Scope 1 und 2. Maßnahmen aus dem Audit, die den Energieverbrauch senken, senken auch die Emissionen. So lassen sich die Daten einmal erfassen und für mehrere Zwecke verwenden.

Häufige Fehler bei der Berechnung des CO₂-Fußabdrucks

  • Vermischung von Systemgrenzen und Zeiträumen. Wird jedes Jahr etwas anders berechnet, sind die Ergebnisse nicht vergleichbar.
  • Schätzung als Messung ausgegeben. Geschätzte oder hochgerechnete Angaben müssen gekennzeichnet werden.
  • Nur ein Wert für Scope 2. Richtig ist, sowohl location-based als auch market-based anzugeben.
  • Scope 3 als null. Was nicht berechnet wird, sollte als nicht berechnet gekennzeichnet werden, nicht als null.
  • Nicht nachvollziehbare Berechnung. Ohne gespeicherte Eingangsdaten und Faktoren lässt sich die Zahl nicht belegen.

VSME: vereinfachter Standard für kleinere Unternehmen

VSME ist ein freiwilliger Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung für kleine und mittlere Unternehmen, herausgegeben von EFRAG. Er richtet sich an Unternehmen, die nicht der vollen verpflichtenden Regulierung unterliegen, von denen aber Abnehmer oder Banken Angaben verlangen. Er enthält auch grundlegende Angaben zu Energieverbrauch und Emissionen.

Wenn Sie diese Daten aus dem Monitoring unter Kontrolle haben, lassen sich Antworten für VSME oder für Abnehmerfragebögen deutlich schneller und konsistent vorbereiten. Der Umfang der konkreten Pflichten und die Form der Standards entwickeln sich weiter, daher empfehlen wir, die aktuellen Anforderungen Ihrer Abnehmer und der Regulierung zu verfolgen.

So starten Sie

  1. Erfassen Sie die Emissionsquellen (Energie, Brennstoffe, Technologien) und die Systemgrenzen, die Sie berichten werden.
  2. Sorgen Sie für verlässliche Verbrauchsdaten, am besten aus kontinuierlicher Messung.
  3. Wählen Sie Emissionsfaktoren und dokumentieren Sie deren Herkunft.
  4. Berechnen Sie Scope 1 und 2 und ergänzen Sie dann schrittweise die wichtigsten Kategorien von Scope 3.
  5. Legen Sie ein Reduktionsziel fest und verfolgen Sie dessen Erreichung.

Energieverbrauch und CO₂-Emissionen pro Produkt, Auftrag oder Linie bietet die Stufe Advanced. Wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen, vereinbaren Sie eine Beratung.

Wie oft berichten und was mit den Ergebnissen tun

Den CO₂-Fußabdruck zu berechnen ist regelmäßig sinnvoll, typischerweise jährlich für die externe Berichterstattung und häufiger für die eigene Steuerung. Das Ergebnis soll zur Entscheidungsfindung dienen: die größten Emissionsquellen aufdecken, ein Reduktionsziel festlegen und Maßnahmen mit dem besten Verhältnis von Nutzen und Kosten auswählen. Dieselben Angaben nutzen Sie dann für Abnehmer, Banken sowie etwaige Förder- oder Zertifizierungsanforderungen.

Häufige Fragen

Was sind Scope 1, 2 und 3?

Scope 1 sind direkte Emissionen aus Quellen des Unternehmens (zum Beispiel Gasverbrennung), Scope 2 indirekte Emissionen aus zugekaufter Energie (Strom, Wärme) und Scope 3 sonstige indirekte Emissionen in der Wertschöpfungskette, zum Beispiel eingekaufte Materialien und Transport.

Wie werden Emissionen berechnet?

Aktivitätsdaten (zum Beispiel Energie- oder Brennstoffverbrauch) werden mit einem Emissionsfaktor multipliziert, der die Verbrauchseinheit in CO₂-Äquivalent umrechnet.

Was ist location-based und market-based Scope 2?

Location-based verwendet den durchschnittlichen Emissionsfaktor des Netzes in der jeweiligen Region, market-based beruht auf den vertraglichen Bedingungen des Strombezugs. Ein guter Report weist beide Werte aus.

Was ist VSME?

Ein freiwilliger Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung für kleine und mittlere Unternehmen, herausgegeben von EFRAG.

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